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Porzellanland Thüringen

Gleich drei Thüringer haben im Jahr 1760, nur 50 Jahre nach der Erfindung des Porzellans auf der Albrechtsburg im sächsischen Meißen, das europäische Porzellan nacherfunden: Georg Heinrich Macheleid, Johann Wolfgang Hammann und Johann Gotthelf Greiner gelang es mit Thüringer Rohstoffen Porzellan zu brennen. Eine Initialzündung für eine ganz eigene Industriegeschichte, von deren Erfolg der Freistaat bis heute profitiert.

Der Überlieferung nach...

 ..habe Georg Heinrich Macheleid von einer Botenfrau Streusand gekauft und bei Königsee das Lager dieses kaolinhaltigen Sandes gefunden. 1760 entdeckte er die richtige Mischung aus Kaolin, Quarz und Feldspat, mit der er Porzellan herstellte. Sein Landesherr, Fürst Friedrich von Schwarzburg-Rudolstadt, war begeistert und erlaubte die Gründung einer Porzellanfabrik in Sitzendorf, der ersten in Thüringen, wo das Handwerk bis heute lebt. Zwei Jahre später wurde die Fabrik in die Nähe der Schwarzburgischen Residenz nach Rudolstadt-Volkstedt verlegt.

Thüringen im Porzellan-Rausch

Ab 1871 setzte ein Gründerboom ein. 1895 gab es im Deutschen Reich 1536 Porzellanfabriken – davon 878 mit knapp 16.000 Mitarbeitern in Thüringen. Die Porzellan-Produktion entwickelte sich zu einem wichtigen Wirtschaftszweig und bot vor allem im Thüringer Wald Arbeitsplätze. Um die Produktionskosten zu senken, wurden im 19. Jahrhundert Dampfmaschinen und Steinkohlen-Feuerung eingesetzt. Kupfer- und lithographische Umdruckverfahren ersetzten die teure Handmalerei. Neben Tellern und Tassen wurde in Thüringen immer mehr technisches Porzellan hergestellt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren in Thüringen 246 Klein-, 40 Mittel- und 106 Großbetriebe der Porzellanbranche ansässig.

Thüringer Porzellan auf den Tischen der Welt

Die thüringischen Porzellan-Erzeugnisse fanden sich nicht nur in deutschen Wohnzimmern, sondern deckten bald auch Tische in der ganzen Welt. Das erfolgreiche Geheimrezept der Thüringer Porzelliner: Sie setzten nicht allein auf Prunk und Pomp, sondern machten das Porzellan auch für das Bürgertum erschwinglich. Ein Kalkül, das sich bewährt hat. Nach wie vor sind thüringische Gebrauchsporzellane und Industriekeramik ein fester Bestandteil auf dem Weltmarkt. Und für den internationalen Kunstmarkt sind historische Thüringer Porzellane mittlerweile ein Geheimtipp.

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