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Kulturminister Hoff stellt die Museumsperspektive 2025 vor. Foto: mip

So groß war das Interesse noch nie an einem Verbandstag des Museumsverbandes Thüringen (MVT). Im Reithaus Residenzschloss Heidecksburg in Rudolstadt konnte MVT-Präsident Günter Schuchardt mehr als 150 institutionelle und persönliche Mitglieder sowie Gäste aus Politik, Verwaltungen und von anderen Kulturverbänden begrüßen.

Der Grund für das „ganz großartige Interesse“ der Mitglieder und Gäste, so Günter Schuchardt, lag in der „Museumsperspektive 2025“ der Thüringer Staatskanzlei, die Thüringens Kulturminister Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff vorstellte. Das Diskussionspapier entstand in enger fachlicher Zusammenarbeit mit dem Museumsverband und weiteren Museums- und Verwaltungsexperten. Die erstmals für ein deutsches Flächenland erstellte „Museumsperspektive 2025“ sei eine „große Chance“ für die Museen, kommentierte Günter Schuchardt.

Kulturminister Hoff unternahm in freier Rede einen Parforceritt durch die Museumslandschaft in Thüringen mit Blicken nach Sachsen und Brandenburg, nach Deutschland und in die virtuellen Welten. Er lobte die Museumsmitarbeiter und Museen, ihre öffentliche Präsenz und die Besucherresonanz, sprach die schwierigen Rahmenbedingungen von Museen an. Vor allem richtete Hoff den Akzent auf kleinere und mittlere Museen, auf Museen im ländlichen Raum und auf die Förderpolitik des Landes. Er sprach sich für vernetzte Kulturangebote von Museen und weiteren Kulturinstitutionen vor Ort aus, forderte zu mehr Kooperationen zwischen Museen und von Museen mit anderen Kultureinrichtungen vor Ort auf. Insbesondere kommunale, aber auch die anderen Museumsträger forderte der Minister auf, in ihre Museen zu investieren: in Fachpersonal, in museale Infrastruktur, in Depots, Digitalisierung, Marketing und weitere Bereiche.

Die Handlungsempfehlungen in der „Museumsperspektive 2025“ regen an, was jetzt und künftig im Museumsalltag praktisch umgesetzt werden soll. Da geht es um Förderkriterien des Landes für Museen, um die zu stärkende Arbeit der Geschäftsstelle des Museumsverbandes, um finanzielle Anreize für Kooperationen zwischen Museen und einiges mehr.

Für den Vorstand des Museumsverbandes sprach der Erste Vizepräsident Dr. Lutz Unbehaun. Er begrüßte ausdrücklich das Diskussionspapier, machte aber auch auf Defizite in vielen Museen aufmerksam. „Mit den Handlungsempfehlungen zur Museumsentwicklung bis 2025 sind alle Museen und Museumsträger , Land, Kommunen und Landkreise zur verstärkten Zusammenarbeit aufgerufen“, betonte Unbehaun. Der Museumsverband werde sich aktiv in die jetzt beginnende breite Diskussion einbringen und an der Umsetzung der Handlungsempfehlungen beteiligen, fügte er hinzu.

Die Diskussion begann bereits lebhaft auf dem Verbandstag in Rudolstadt. Die Geschäftsführerin des Museumsverbandes des Landes Brandenburg, Dr. S usanne Köstering, lobte das komplexe, transparente Diskussionspapier, das einmalig sei für ein landesweites Museumskonzept in Deutschland. Brandenburger Museen würden davon partizipieren. Wie beeinflusst die beabsichtigte Gebietsreform in Thüringen die Kooperation und Vernetzung von Museen? Die Frage von Meiningens Museumsdirektor Winfried Wiegand beantwortete minister Hoff: „Nach vorn schauen, unabhängig von einer Gebietsreform.“ Weitere Themen: die Situation von Fachkräften, Depots, das kommunale Kulturinvesttionsprogramm des Landes (Jonas Zipf, Jena Kultur), die Förderung kleiner und mittlerer Museen, wo manchmal geringe Beträge schon viel helfen (Jochen Süß, Brehm-Gedenkstätte Renthendorf), der Brückenschlag Museum, wirtschaft, Tourismus und Marketing (Ulrike Kaiser, Stiftung Leuchtenburg). Noch viele weitere Aspekte wurden genannt und andiskutiert. Die Handlungsempfehlungen, so Ministert Hoff abschließend, müssten den unterswchiedlichen Strukturebn der Museen gerecht werden, „Prioritäten müssen die Museen selbst setzen.“

In der Pressekonferenz mit Minister Hoff und Präsident Schuchardt ging es um die jetzt zu führende Diskussion vor allem mit kommunalen Museumsträgern. „Das ist Tagesgeschäft, wir sind im Dauergespräch“, so der Minister. MVT-Präsident Schuchardt warb für eine gute Zusammenarbeit von Museen, Museumsträgern und Land, nur so könne die „Museumsperspektive 2025“ erfolgreich umgesetzt werden.

Nach diesem inhaltlichen Schwerpunkt widmete sich der Verbandstag weiteren Themen. Geehrt wurden mit dem Museumssiegel des Verbandes die Stiftung Lutherhaus Eisenach sowie mit der Bernhard-von-Lindenau-Medaille Dr. Regina Fasold, Leiterin Literaturmuseum Theodor Storm, Heilbad Heiligenstadt und Dr. Marina Moritz, Direktorin Museum für Thüringer Volkskunde Erfurt.

Dem schriftlich vorliegenden Verbandsbericht von Geschäftsführer Holger Nowak stimmte die Versammlung zu, ebenso dem Bericht der Revisionskommission, vorgetragen von Schatzmeister und vorstandsmitglied Dr. Gert-Dieter Ulferts (Stellvertreter des Genaraldirektors Museen, Klassik Stiftung Weimar). Der Vorstand wurde entlastet, der Haushalt 2018 vorgestellt und verabschiedet.

„Das war ein sehr besonderer Verbandstag“ stellte Tagungsleiterin Friederike Böcher, Direktorin Heinrich-Schütz-Haus, Bad Köstritz, zutreffend fest. Sie dankte allen an der Organisation des Verbandstags beteiligten Kolleginnen und Kollegen, insbesondere Katja Rettig von der Geschäftsstelle des MVT, und den Gastgebern der Thüringer Stiftung Schlösser und Gärten sowie vom Thüringer Landesmuseum Heidecksburg. (mip)

Mehr Informationen:
Museumsperspektive 2025 Online-Version
Medien-Information MVT zur Museumsperspektive 2025
Medien-Information TSK zur Museumsperspektive 2025
Medien-Information MVT zu Ehrungen
Laudatio auf Stiftung Lutherhaus Eisenach
Laudation auf Dr. Regina Fasold
Laudatio auf Dr. Marina Moritz

01.09.2017

Blaues Gold in Lehesten erleben

Der Vorstand des Museumsverbandes besuchte das Technische Denkmal „Historischer Schieferbergbau Lehesten“ an der Landesgrenze von Thüringen nach Bayern oder besser nach Franken. Für den Museumsträger, eine Stiftung, informierte Helmut Färber über die aktuelle Lage. Sie ist prekär. Das Museum wird dennoch mit großer Sachkenntnis, Enthusiasmus und fast ausschließlich ehrenamtlichem Einsatz betrieben.

Auf die Dauer ist dieser Zustand aber nicht haltbar, machte Helmut Färber klar. Die seit 2012 existierende Stiftung verfügt über historische Gebäude, Anlagen und Maschinen sowie Grund und Boden, ca. 3,8 Hektar, an zwei Standorten. Sie besitzt jedoch keinen Kapitalstock und verfügt nur über bescheidene eigene Einnahmen, vor allem aus dem Verkauf von Eintrittskarten. In den 1990er-Jahren investierte der Freistaat Thüringen ca. 680.000 D-Mark in die denkmalgerechte Sanierung.

Auf den Spuren des „blauen Goldes“ können Besucher 800 Jahre Geschichte über den Schiefertagebau erleben. Historische Maschinen und einzelne Arbeitsschritte bei der Verarbeitung von Schiefer werden vorgeführt und demonstriert. Die Schieferproduktion wurde 1999 eingestellt. Privatinvestoren scheiterten Anfang der 2000er-Jahre, das einstige Werksgelände zum kommerziell betriebenen „Thüringer Schieferpark Lehesten“ zu entwickeln.

Nach Auskunft von Stiftungsvorstand Helmut Färber muss bis spätestens 2020 ein neuer Träger gefunden werden, der das Technische Denkmal betreibt, erhält und unterhält. Die jetzt ehrenamtlich tätigen Mitarbeiter können das altersbedingt nicht mehr leisten.

Der Vorstand konnte sich ein eigenes Bild machen von der Anlage, den historischen Maschinen und der tollen Landschaft rund um das Denkmal, das im Naturpark „Thüringer Schiefergebirge – Obere Saale“ liegt. Zwei Geopfad-Rundwanderwege führen um den Schieferpark.

Der Vorstand dankt sehr herzlich Helmut Färber für die realistischen Informationen, dem ehemaligen Betriebsleiter Peter Langbein für die sehr sachkundige Führung durch die Hallen und das Gelände. An Veronika Beuche geht ein herzliches Dankeschön für die tolle Vorbereitung und kulinarische Bewirtung der Vorstandssitzung.

Ein herzliches „Glückauf!“ allen Mitstreitern und ehrenamtlichen Mitarbeitern.

Wer mehr sehen und erfahren will, sollte unbedingt das Technische Denkmal „Historischer Schieferbergbau Lehesten“ besuchen.

In der ARD-Mediathek ist noch bis zum 06.09.2017 eine Reportage über „Das blaue Gold von Lehesten“ zu sehen.

01.09.2017

Impressionen: Technisches Denkmal Historischer Schieferbergbau Lehesten

Wie die Maschine hörbar rattern kann.
Kompetent geführt und erklärt von Peter Langbein.
Vor der Tür bei den Hunten.
Der blaue See von oben.
Tolle Kultur- und Naturlandschaft. Alle Fotos: mip

11.12.2016

Konzepte. Modelle. Projekte. Strukturen. Wie Museen in Thüringen zusammenarbeiten.

Im Titelthema der neuen Ausgabe der Thüringer Museumshefte, sie erscheint diese Woche, beschreiben Autorinnen und Autoren ihre Erfahrungen und Pläne. Eine Museumsregion Süd soll in den Landkreisen Hildburghausen und Sonneberg entstehen. Sie ist Kernbestandteil eines Modellprojektes, gefördert vom Freistaat Thüringen.

1993/94, vor der ersten Gebietsreform in Thüringen, entstanden der Zweckverband Kultur in Schmalkalden und der Region sowie der Zweckverband Mühlhäuser Museen. Wie stehen beide Zweckverbände heute da? Museen in Heiligenstadt, Ilmenau und Posterstein kooperieren mit ganz unterschiedlichen Partnern in der Region. So ergibt sich insgesamt ein (unvollständiges) Bild, wie Museen in Thüringen vernetzt sind, zusammenarbeiten, gemeinsame Projekte verfolgen.

In der Rubrik „Aus den Museen“ werden u. a. die neue Dauerausstellung zur Geschichte des Konzentrationslagers in der Gedenkstätte Buchenwald sowie das neue Deutsche Burgenmuseum auf der Veste Heldburg vorgestellt. Berichte aus Museen in Mühlhausen, Erfurt und Gera widmen sich archäologischen, historischen und naturwissenschaftlichen Fragen, stellen Sammlungen, Ausstellungen und internationale Aktivitäten vor.

Drei Volontäre schreiben über ihre praktischen Erfahrungen und wissenschaftlichen Projekte  in Museen in Renthendorf, Greiz und Apolda. Das Schlossmuseum Arnstadt bot Schülerinnen einer Regelschulklasse mit fachlicher Unterstützung einer Mitarbeiterin die Chance, einen theatralischen Rundgang durch die Geschichte und Räume zu schreiben und aufzuführen.

In der Rubrik „Forum Museum“ fragt der Autor „Luther 2017 in Thüringen – was war, was ist, was bleibt?“ Das Weimarer Bauhaus ist die weltweit erste Hochschule des Erfindens – ein Gespräch vor dem Jubiläum 2019 mit Blick auf die Gegenwart und Zukunft. Erfahrungen des Museums Burg Posterstein mit Bildung und Vermittlung analog und online komplettieren diese diskursive Rubrik.

Der Heftteil „Aus dem Museumsverband“ dokumentiert ausführlich den Verbandstag am 29.09.2016 in Greiz. Im Mittelpunkt stand und steht weiterhin die Museumsperspektive 2025, ein Konzept der Thüringer Landesregierung in Zusammenarbeit mit dem Museumsverband. Über den Zwischenstand berichtete Kulturminister Benjamin Immanuel Hoff, die Verbandsmitglieder fragten nach und diskutierten. Im Museumsheft werden die Laudationes auf die neuen Träger der Lindenau-Medaille und des Museumssiegels dokumentiert. Einen Einblick in die Arbeit der Jury des Museumspreises der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen gibt der Vorsitzende des Hessischen Museumsverbandes.

Die neue Ausgabe der Thüringer Museumshefte erscheint wie immer gedruckt und digital. An Interessenten, neben den Abonnenten der Print-Ausgabe, versenden wir gern einzelne Beiträge oder das ganze Heft in digitaler Form (PDF-Format). Eine Mail an die Redaktion genügt.

Das Inhalts- und Autorenverzeichnis kann hier heruntergeladen werden. Reaktionen, Zuspruch und Widerspruch auf das Heft und einzelne Beiträge sind jederzeit willkommen. (mip)

Defensionskaserne links und Forrum Konkrete Kunst auf dem Petersberg Erfurt. Foto: mip

Der Thüringer Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff (Die Linke) hat auf dem Verbandstag des Museumsverbandes Thüringen in Greiz erstmals öffentlich Pläne für eine museale Perspektive des Petersberges in Erfurt bestätigt. Das Land rede gegenwärtig mit der Landeshauptstadt Erfurt darüber, sagte Hoff auf Nachfrage.

Nach der Bundesgartenschau in Erfurt im Jahr 2021 könnte das Museum für Ur- und Frühgeschichte mit derzeitigem Standort in Weimar nach Erfurt auf den Petersberg umgesetzt werden. Im Gespräch ist die Defensionskaserne. Das neue Landesmuseum müsse aber mehr sein als das jetzige in Weimar. Hoff sprach von einem „Museum für Thüringer Landesgeschichte“ und nannte als Standard das „Staatliche Museum für Archäologie Chemnitz“, das SMAC.

Der Vorstand des Museumsverbandes hatte Ende April 2014, kurz vor der Eröffnung, das SMAC in Chemnitz besucht. Der Freistaat Sachsen und weitere Geldgeber investierten dort knapp 40 Mio Euro. Direktorin Dr. Sabine Wolfram führte den Vorstand damals durch das Haus und informierte über Konzeption und Gestaltung des Museums. Im ehemaligen Kaufhaus Schocken werden auf drei Etagen mit 3000 qm Ausstellungsfläche 300.000 Jahre Geschichte modern und anschaulich präsentiert.

Kulturminister Hoff sprach in Greiz nicht über eine mögliche Perspektive des Museums für Thüringer Volkskunde, das die Stadt Erfurt als Träger nach derzeitigem Plan an das Land abgeben und auf den Petersberg umsetzen will. (mip)

29.09.2016

#Museumsperspektive2025: Wohin geht die Reise?

Kulturminister Hoff sprach auf dem Verbandstag des MVT. Foto. mip

Erste Informationen von Kulturminister Benjamin Hoff
auf dem Verbandstag des MVT am 29.09.2016 in Greiz

Die Museen in Thüringen sind im öffentlichen Gespräch, werden öffentlich gut wahrgenommen und gern besucht. Die Zahlen sind bekannt. Vielleicht können sich Thüringer Theater und Orchester besser selbst inszenieren. Aber das gehört zu ihrem Image, das von den Medien gern aufgenommen wird.

Kulturminister Hoff redete heute im Sommerpalais Greiz vor ca. 100 Mitgliedern und Gästen des Museumsverbandes über die #Museumsperspektive2025 der Thüringer Landesregierung und beantwortete Fragen dazu. Hier kurz zusammengefasst seine Gedanken und Antworten.

Eine Bestandsaufnahme, verbunden mit einer Online-Befragung, ist erfolgt. Die ersten Ergebnisse liegen vor, werden diskutiert, interpretiert, Schlussfolgerungen gezogen. Wohin soll die Reise gehen?

Minister Hoff sprach das gravierendste Problem an: Museen brauchen fachkundiges Personal, das angemessen, nämlich nach Tarif bezahlt wird. Museumsträger, zum Beispiel Kommunen, bezahlen ihre Mitarbeiter in der Verwaltung nach Tarif. Warum bezahlen sie, in der Regel, ihre Mitarbeiter in den Kulturbetrieben, zum Beispiel in den Museen, nicht nach Tarif? Der Minister will eine tarifpolitische Diskussion mit den Museumsträgern anstoßen. „Das ist das dickste Brett, was wir bohren müssen“, legte Hoff die Priorität selbst fest.

Kooperationen zwischen den Museen und mit anderen Partnern der Museen, zum Beispiel mit Kulturtouristikern und Vermarktern, will der Kulturminister stärker als bisher als Ressource aktivieren. Das Thema kulturelle Infrastruktur steht ebenfalls ganz oben bei den künftigen Vorhaben der Landesregierung. Benjamin Hoff möchte ein Kulturinvestitionsprogramm anstoßen, ausgerichtet auf 10 bis 15 Jahre, beginnend ab 2018. Er möchte entsprechende Bauprojekte jetzt diskutieren. Den Museen fällt da, von Ort zu Ort unterschiedlich, die prekäre Situation ihrer Depots ein.

Andere, angesprochene Themen: Kultur als Pflichtaufgabe. Minister Hoff wiederholte seine These von der „gestaltenden Kulturpolitik“ als Landes- und kommunaler Aufgabe. Er sieht einen Wandel im Verständnis von Kultur beim Landesverwaltungsamt in Weimar, das Kommunen in Haushaltsnotlagen in der Vergangenheit auferlegte, ihre Kulturetasts zu kürzen oder ganz zu streichen. Das ist ein spannendes Thema, das übrigens der Kulturrat Thüringen am 4. Oktober auf einer Tagung in Erfurt mit dem Minister vertieft erörtern will.

Anfang 2017 wird die Kulturabteilung in der Thüringer Staatskanzlei ein Diskussionspapier zur #Museumsperspektive2025 vorlegen. Vergleichbar der Theaterdebatte 2015/2016 sollen Landesregierung, Museumsträger, Museen und interessierte Öffentlichkeit über dieses Papier eine öffentliche Diskussion führen. Die Landesregierung will Handlungsempfehlungen erarbeiten.

„Scheuen Sie sich nicht, Widerspruch zu äußern“, forderte Kulturminister Hoff die Mitglieder des Museumsverbandes auf. Erste Fragen, die ihm nach seiner Rede gestellt wurden, zeugten davon. Nur kurz: Das gut angelaufene Volontärsprogramm drängt die Frage auf: Was wird aus den Volontären nach den zwei Jahren? Können sie als festangestellte Mitarbeiter in den Museumsbetrieb einsteigen? Sie und noch viel mehr gut ausgebildete Experten werden dringend gebraucht. Der Minister will an der Frage dranbleiben.

Institutionelle Förderung der Museen? „Ich bin bestrebt, sie zu erweitern, aber mindestens den Status quo zu halten“, die antwort von Hoff. Worüber nicht gestritten und nur am Rande gesprochen wurde: Die Museen müssen auch finanziell angemessen durch ihre Träger und das Land ausgestattet werden. Minister Hoff hatte zu Beginn seiner rede einen Halbsatz formuliert, den wir zum wiederholten Mal so gehört haben, „unter den Rahmenbedingungen begrenzter finanzieller Mittel“.

Die Rede von Kulturminister Hoff gibt es in einer gekürzten und zusammengefaßten Version, die durch die Thüringer Staatskanzlei zur Verfügung gestellt worden ist. Wir werden diese Aussagen, Fakten, Bewertungen und Erwartungen in einem ausführlichen Bericht über den Verbansdstag im Internet und in der nächsten Ausgabe der Thüringer Museumshefte dokumentieren.

Museumsträger, Museen, Museumsmitarbeiter und Partner der Museen sind aufgefordert, sich an der öffentlichen Diskussion über die #Museumsperspektive2025 zu beteiligen.  Setzen wir das öffentliche Gespräch fort, um öffentlich wahr- und ernstgenommen zu werden. (mip)

13.05.2016

Museen in der Region. Ein Rückblick auf die DMB-Tagung in Erfurt

400 Tagungsteilnehmer verfolgen im Erfurter Kaisersaal die Vorträge und Diskussionen. Foto: mip

Das Thema berührte und bewegte in Erfurt vier Tage lang rund 400 Museumsfachleute aus Deutschland: „Der Knoten im Netz. Museen als Ankerpunkte in der Region.“

Die Tagung des Deutschen Museumsbundes (DMB) eröffnete Präsident Prof. Dr. Eckart Köhne mit der Bemerkung, Museen in ländlichen Räumen seien besonders relevant für die Kultur in der Region und Identität stiftend. Studien hätten das nachgewiesen.

Günter Schuchardt, Präsident des Museumsverbandes Thüringen (MVT), streifte in seiner Rede über 26 Jahre MVT die Höhen und Niederungen der Verbandsarbeit. Aktuell beschäftigt den Verband, mit Bezug auf das Tagungsthema, vor allem die Museumsregion Südthüringen, die als ein Ergebnis der Kulturentwicklungskonzeption des Freistaats Thüringen entwickelt werden soll.

Museumsregion Südthüringen

Sieben Aspekte des Tagungsthemas wurden auf der Bühne des Erfurter Kaisersaales vorgestellt und diskutiert, darunter die Museumsregion Süd in Thüringen. Dr. Patrick S. Föhl, Kulturentwicklungsplaner aus Berlin, begleitet von Anfang an federführend das Projekt. Seine Erfahrung, „die Suche nach Haltung“ ist entscheidend, um Kultur zu planen. Dr. Ralf Werneburg, Direktor des Naturhistorischen Museums Schloss Bertholdsburg in

Schleusingen, ist direkt betroffen und sieht im „Vertrauen aufbauen“ zwischen den 20 Museen und Trägern den entscheidenden Ansatzpunkt. Ideen und Finanzen braucht es selbstverständlich auch. Dr. Julia Ackerschott moderiert und recherchiert als Kulturmanagerin diesen Prozess in der Region vorerst für zwei Jahre. Der begonnene Prozess soll zu einer institutionellen, vertraglich und finanziell abgesicherten Struktur führen, vielleicht in Form eines Zweckverbandes mit einem Kernbestand von Museen in der Südregion. Das Thema wird der MVT weiter begleiten.

HERZLICHEN DANK

Vier Tage in Erfurt, das waren Besichtigungen, ein anspruchsvolles, meist inspirierendes Tagungsprogramm mit zum Teil kontroversen, aber auch fröhlich-unterhaltsamen Wortwechseln. Es blieb genügend Zeit für Gespräche und Begegnungen „am Rande“: zu den beiden Abendveranstaltungen oder dem Orgelkonzert im Erfurter Dom. DMB-Präsident Köhne schwärmte „was für eine schöne Stadt Erfurt“ ist und „Wir haben viele Fans für Thüringen gewonnen.“

Die Impulse und Notizen der Tagung, die Gespräche und Begegnungen mit den Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Museen, von Museumspartnern und Institutionen zu reflektieren und nutzbar für den Alltag zu machen, das wird bleiben, ebenso neue Kontakte und Anregungen für die eigene Arbeit.

Herzlichen Dank an den Deutschen Museumsbund, an die Stadt Erfurt, an die Gäste, Partner und Förderer der Tagung. Der Mit-Gastgeber MVT, vor allem die Geschäftsstelle des Verbandes, hat sein Bestes gegeben. (mip)

Podiumsdiskussion über die angestrebte Museumsregion in Südthüringen, beobachtet von DMB-Präsident Köhne.
Abendempfang im Angermuseum Erfurt mit Direktor Kai Uwe Schierz (Mitte), dahinter MVT-Präsident Günter Schuchardt und DMB-Präsident Eckart Köhne, rechts Elke Harjes-Ecker, Kultur-Abteilungsleiterin in der Thüringer Staatskanzlei. Fotos: mip

Die neue Printausgabe der Thüringer Museumshefte erscheint bereits in dieser Woche und damit wesentlich eher als sonst. Der Grund: Wir widmen das Titelthema dem Motto der Jahrestagung des Deutschen Museumsbundes „Der Knoten im Netz. Museen als Ankerpunkte in der Region“. Erfurt ist vom 8. bis 11. Mai Gastgeber für rund  400 Museumsfachleute und Gäste aus Deutschland. Wir sagen: Herzlich willkommen. Das aktuelle Museumsheft gibt es für alle Tagungsteilnehmer gratis.

Ralf Werneburg schlägt in seinem Beitrag zum Titelthema den Bogen vom Spinnennetz zur Vernetzung der Naturkundlichen Museen und Sammlungen in Thüringen. Durch ein Experten-Netzwerk wird für das Heinrich-Schütz-Haus in Badt Köstritz ein Traum wahr. Die Geschichte um das originalgetreu nachgebaute Pedal-Clavichord schildert Friederike Böcher. Das Städtische Museum Zeulenroda ist in Ostthüringen verwurzelt. Darüber berichtet Tobias Kühnel. 20 Jahre Kooperation von Museen in Nordthüringen thematisiert Thomas T. Müller. Über die Gedenkstätte Point Alpha als Lernort der Geschichte mit großen Netzwerken informiert Volker Bausch.

Die Rubrik „Aus den Museen“ enthält Beiträge über kommende Kunstausstellungen. Die Gerhard-Altenbourg-Ausstellung in Altenburg zum 90. Geburtstag des Künstlers ist nach Redaktionsschluss von Juni in den Dezember verschoben worden. Über die weltweite Ausstrahlung des in Gera geborenen Künstlers Otto Dix berichtet Holger Peter Saupe anhand der Leihanfragen und derzeit weltweit ausgestellter Werke aus dem Bestand der Geraer Kunstsammlung. Die Sonderausstellung „Von Leonardo fasziniert. Giuseppe Bossi und Goethe“ wird im Spätsommer in Weimar eröffnet. Einen Einblick geben schon jetzt Margarete Oppel und Serena Zanaboni.

Die große Ernestiner-Landesausstellung in Weimar und Gotha wird von kleineren thematischen Expositionen begleitet, u. a. in Saalfeld und Burg Posterstein. Darüber veröffentlichen wir zwei Geschichten von Dirk Henning und Klaus Hofmann. „Luthers ungeliebte Brüder“ entdeckt Sarah Lösel in ihrem Beitrag und in der Ausstellung, die sie in Mühlhausen vorbereitet. „Goethes strenge Theaterregeln als Castingshow“? Lassen Sie sich überraschen von dieser Geschichte, aufgeschrieben von Sophia Gröschke und Folker Metzger.

Im „Forum Museum“ informiert Uwe Hartmann ausführlich über neue Rahmenbedingungen für die Provenienzforschung in Deutschland. Das ist auch eine freundliche Einladung an kleine und mittlere Museen, ihre Bestände zu sichten und dafür professionelle Unterstützung und Förderung zu nutzen. Museumsstellen sind oft weit unter Qualifiaktion dotiert. In einem Gespräch mit Janny Dittrich und Holger Nowak reden wir über wissenschaftliche Arbeit an Museen, Eingruppierungen und gerechte Bezahlung.

Der Deutsche Museumsbund stellt sich in unserer Rubrik „Partner der Museen“ vor, aufgeschrieben von Anja Schaluschke. So schließt sich ein thematischer Kreis.

Die neue Ausgabe der Thüringer Museumshefte (im PDF-Format) versenden wir auf Anfrage gern an Interressenten, auch einzelne Beiträge. Eine Mail genügt. (mip)

01.02.2016

Herzliches Willkommen den Volontären in Thüringer Museen und Gedenkstätten

Verbandspräsident Günter Schuchardt begrüßt 13 wissenschaftliche Volontäre, die ihre Ausbildung in 12 Museen und Gedenkstätten in Thüringen beginnen. Foto: mip

Präsident Günter Schuchardt:
„Wir brauchen Sie dringend.“

„Guten Morgen, Sie sind unsere Zukunft“, begrüßte Verbandspräsident Günter Schuchardt heute 13 wissenschaftliche Volontäre aus 12 Museen und Gedenkstätten in Thüringen, die ihre praktische Ausbildung begonnen haben. In den nächsten Wochen folgen acht weitere wissenschaftliche Volontäre.

Der Präsident des Museumsverbandes Thüringen und Burghauptmann der Wartburg hofft, dass möglichst viele Volontäre nach ihrer zweijährigen praktischen Ausbildung in den Museen fest angestellt werden. „Wir brauchen Sie dringend“, unterstrich Günter Schuchardt. Drei Viertel der ca. 900 fest angestellten Mitarbeiter in den 230 Mitgliedsmuseen in Thüringen sind über 50 jahre alt. Der Generationswechsel steht unmittelbar bevor.

Das Volontärsprogramm wird vom Freistaat Thüringen 2016/2017 mit jeweils 320.000 Euro gefördert, ebenso das Weiterbildungsprogramm. In den Folgejahren sind vergleichbare Förderbeträge vorgesehen. Die Träger der Museen finanzieren einen Eigenanteil. Das Landesprogramm läuft über drei Ausbildungszyklen und sechs Jahre bis 2020/2021. Es richtet sich vor allem an kleine und mittlere Museen in Thüringen.

Nach Auskunft des Museumsreferenten in der Kulturabteilung der Thüringer Staatskanzlei, Prof. Dr. Bernhard Hoppe, legt erstmals ein Bundesland in Deutschland so ein Landesprogramm für junge Nachwuchswissenschaftler in Museen auf. Aus anderen Bundesländern gebe es Anfragen zum Thüringer Programm, sagte Hoppe.

Die 13 Volontäre absolvierten heute ihren ersten Weiterbildungstag, der monatlich einmal in wechselnden Museen in Thüringen stattfindet. Am Sitz des Verbandes im Erfurter Benary-Speicher sprachen Präsident Günter Schuchardt zur Museumslandschaft und den Aufgaben in Thüringen. Geschäftsführer Holger Nowak stellte den Verband und seine Arbeit vor. Museumsberaterin Dr. Andrea Geldmacher und Stephan Tröbs vom Digitalisierungsteam des Verbandes sprachen über ihre Arbeitsbereiche. Eine der Sprecherinnen der Volontäre in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt, Verena Bunkus vom Erinnerungsort Topf & Söhne, stellte das Volontärsnetzwerk vor.

Am Nachmittag besuchten alle Volontäre das Angermuseum in Erfurt. Direktor Prof. Dr. Kai Uwe Schierz sprach sehr offen über die aktuelle Museumssituation, die Sorgen, Nöte und Chancen des Hauses. Er stellte Erich Heckels „Lebensstufen“ vor, das einzige expressionistische Wandgemälde des Brücke-Künstlers und ein herausragender Museumsschatz des Hauses. Beim Gang durch die Ausstellungen des Hauses lernten die Volontäre gleich ganz praktisch eine Arbeitssituation kennen. Im Bereich Sonderausstellungen wird gerade die Schau „Hans Purrmann – Die Farben des Südens“ aufgebaut. Sie öffnet kommenden Samstag.

Das Medieninteresse zum Start des Volontärsprogramms war gut. Zur Pressekonferenz am Mittag waren der MDR mit Fernsehen und Radio, DeutschlandRadio Kultur, die Nachrichtenagentur dpa und Tageszeitungen vertreten. (mip)

Präsident Schuchardt zum Volontärsprogramm: Wir brauchen einen Generationswechsel.
Fernsehinterview mit Sabrina Lüderitz, Kunstwissenschaftlerin und wissenschaftliche Volontärin im Thüringer Landesmuseum Heidecksburg in Rudolstadt.
Besichtigung des Heckel-Raums im Angermuseum Erfurt.
Direktor Prof. Schierz führt durch die Gemäldegalerie im Angermuseum Erfurt.
Noch nicht aufgehängt. Die Sonderausstellung "Hans Purrmann - Das Licht des Südens" öffnet am kommenden Samstag. Fotos: mip

13.12.2015

Neue Ausgabe der Thüringer Museumshefte erscheint

Das Titelthema lautet: „Kulturgut bewahren und schützen“, u. a. mit Beiträgen von Karin Kosicki „Im Blickpunkt: Kulturgut im Depot – eingelagert und nicht vergessen“ sowie von Peter Mildner und Susanne Werner über den Umzug der naturwissenschaftlichen Sammlungen der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha in das PERTHESFORUM.

Weitere Beiträge befassen sich u. a. mit mit der Thüringer Landesausstellung 2016 in Weimar und Gotha „Die Ernestiner – Eine Dynastie prägt Europa“, drei Technik- bzw. Industriemuseen werden vorgestellt: das IFA-Museum Nordhausen, die „automobile welt eisenach“ und das Museum für Elektrotechnik Erfurt.

In der Rubrik „Aus dem Museumsverband“ dokumentieren wir die sehr inspirierende Festrede von MDR-Hörfunkdirektor Johann Michael Möller zum 25. Geburtstag des Verbandes. Ebenso werden der Jahresbericht des MVT, vorgetragen von Präsident Günter Schuchardt auf dem Verbandstag in Dornburg, sowie die Laudationes für die Träger der Lindenau-Medaillen und des Museumssiegels veröffentlicht.

Die Ausgabe der Thüringer Museumshefte 2-2015 kann auf Anfrage auch in elektronischer Form (PDF-Format) als Ganzes oder einzelne Beiträge per Mail zugestellt werden.

Die nächste Ausgabe der Thüringer Museumshefte erscheint bereits Anfang Mai 2016 anläßlich der Jahrestagung des Deutschen Museumsbundes in Erfurt. Sie greift das Tagungsthema als Schwerpunkt des Heftes auf: „Der Knoten im Netz -  Museen als Ankerpunkt in der Region“.

Die Redaktion nimmt noch kurzfristig gern Themenvorschläge für den Schwerpunkt, aber auch für die anderen bekannten Rubriken des Heftes an. Eine Mail mit Thema und kurzer Begründung bitte bis Ende Dezember 2015 an senden. (mip)

Pausengespräche unter Kollegen vor der Glasfassade des Alten Schlosses in Dornburg. Foto: mip

Der alte ist auch der neue Präsident des Museumsverbandes Thüringen. Günter Schuchardt, Burghauptmann der Wartburg, wurde am 24.09.2015 auf dem Verbandstag im Alten Schloss in Dornburg wiedergewählt.

Mit Lindenau-Medaillen und Museumssiegel wurden zwei Persönlichkeiten und zwei Museen geehrt. Der Jahresbericht des Vorstandes dokumentiert und kommentiert die Höhen und Niederungen der Verbandsarbeit und der Museen in Thüringen. Erwartete und überraschende Grußworte hörten die Mitglieder des Verbandes.

Pausengespräche unter Kollegen sind wichtig und nützlich. Auch dafür bot der Verbandstag des Museumsverbandes Zeit und Raum. Wir dokumentieren hier kurz einige Momente: die Thüringer Museumsbriefe Nr. 41 zum Herunterladen.

Ausführlich wird der Verbandstag in der nächsten Ausgabe der Thüringer Museumshefte nachzulesen sein. Sie erscheinen im Dezember 2015 gedruckt und als ePaper.

23.09.2015

Pressekonferenz vor dem Verbandstag des Museumsverbandes Thüringen

Pressekonferenz mit Günter Schuchardt (Mitte) und Holger Nowak (links). Foto: Stephan Tröbs

Volontärsprogramm startet.
Appell an Museumsträger.
Landesmittel für Museen nicht kürzen.

Heute Vormittag informierten in Erfurt der Präsident des MVT, Günter Schuchardt, und Geschäftsführer Holger Nowak Vertreter der Medien über den morgen stattfinden Verbandstag des Museumsverbandes Thüringen in Dornburg.

Für das vom Land ausgeschriebene und letzte Woche veröffentlichte Volontärsprogramm gibt es ein lebhaftes Interesse bei den Museen bzw. Museumsträgern sowie jungen Wissenschaftlern, die sich um ein Volontariat bewerben. Die Wartburg, so Burghauptmann Günter Schuchardt, erhielt bei vorfristiger Ausschreibung einer Volontärsstelle innerhalb von zwei Wochen bisher 60 Bewerbungen. Das könnte bei anderen Museen und ihren Trägern ebenso der Fall sein.

Günter Schuchardt berichtete über das 2015 erstmals vom Land ausgeschriebene Restaurierungsprogramm im Umfang von 200.000 Euro, das er „als Signal“ auch an die Museumsträger versteht. Das Museum Burg Ranis, so Holger Nowak, befindet sich mit seinem Zukunftskonzept und der ab 1. Oktober 2015 tätigen Kuratorin auf einem guten Weg. Günter Schuchardt kritisierte das von der Stadt getragene Thüringert Museum in Eisenach, „wo ein Stillstand eingetreten ist.“ Museumsteile sollen geschlossen werden, Personalfragen bleiben ungekklärt, ein städtisches Museumskonzept liegt immer noch nicht vor.

Ähnlich die Lage der städtisch getragenen Museen in Gera. Die Zukunft des Museums für Angewandte Kunst ist offen, die starkt verringerten Öffnungszeiten der Museen völlig unbefriedigend. Über die ausgeschriebene Direktorenstelle für alle städtischen Museen ist noch kein Ergebnis bekannt.

Günter Schuchardt warnte eindringlich davor, professionelle Museumsarbeit durch das Ehrenamt ersetzen zu wollen, indem frei werdende Stellen in den Museen nicht wiederbesetzt werden. Entscheidend sei, ob sich eine Stadt oder Gemeinde mit ihrem Museum identifiziere und die dafür notwendigen Mittel bereitstelle, so der Präsident des MVT. An die Adresse des Landes richtete Schuchardt den eindringlichen Appell, die Landesmittel für die Museen nicht zu kürzen und mindestens um den Inflationsausgleich aufzustocken.

Die Museen in Thüringen werden jährlich von über vier Millionen Menschen besucht, antwortete Schuchardt auf eine Journalistenfrage. Das sei eine Größe, die von anderen kulturellen Institutionen und Freizeitangeboten in Thüringen längst nicht erreicht werde.

Der Verbandstag wird am 24.09.2015 in Dornburg u. a. einen neuen Vorstand wählen. 13 Kandidatinnen und Kandidaten bewerben sich um die elf Vorstandssitze. Zum Thema „Landesausstellungen in Bayern“, auch mit Blick auf Thüringen, spricht am Nachmittag Prof. Dr. Claus Grimm, ehemaliger Direktor Hauses der Bayrischen Geschichte. Dem schließt sich eine Diskussion an. (mip)

Am 4. August 2015 wird der Museumsverband Thüringen (MVT) e. V. 25 Jahre alt. Die kurze Geschichte des Verbandes ist eine mit Höhen und Tiefen, Erfolgen und Niederlagen.

In der aktuellen Ausgabe der Thüringer Museumshefte ist das Titelthema dem Verbandsjubiläum gewidmet. Aus unterschiedlicher Perspektive schreiben sieben Autoren sieben Geschichten über das „Bewahren. Verändern. Gestalten. Fünfundzwanzig Jahre Museumsverband“. Der Präsident des MVT Günter Schuchardt blickt im Editorial zurück und resümiert: „Auf Erreichtes darf man stolz sein und sollte davon berichten. Auf noch nicht Geschafftes muss man zwingend aufmerksam machen und erst recht darüber reden.“

Über „Aufbruch und Neubeginn – eine persönliche Reminiszenz“ schreibt Karl-Heinz Hänel. Er begleitete maßgeblich als Referatsleiter Museen im Thüringer Kunst- bzw. Kulturministerium fast 22 Jahre lang die Entwicklung der Thüringer Museen. Burghauptmann Günter Schuchardt schreibt über die Bewahrung der Wartburg und ihrer Kunstsammlung.

Das Museum Goethehaus in Stützerbach musste sich neu erfinden und verändern. Darüber berichtet Michael Plote. Über den „Zauber des Hauses und der Kunstkurse“ im Lindenau-Museum in Altenburg und dem dort ansässigen Studio Bildende Kunst schreibt Ulrike Weißgerber. Kinder und Jugendliche gestalten mit künstlerischen Mitteln ihre Sicht auf die Welt. Im „Blickpunkt Besucher“ berichtet Ausstellungsleiter Michael Rahnfeld über die magnetische Wirkung des sanierten und neu eingerichteten Hauses der Natur in Goldisthal. Im Jahr 2014 kamen 18.000 Besucher in das Haus in der 400-Seelen-Gemeinde im Thüringer Wald.

Einen ganz besonderen Fall von Bürgerengagement beschreiben Iris Hennig und Michael Scholl in „Das Glück der Mühlhäuser Museen, gute Freunde zu haben“. Der Freundeskreis Mühlhäuser Museen e. V. fördert Museumsprojekte und versteht sich als kultureller Multiplikator.

Anlässlich des Internationalen Museumstages sprach Präsident Günter Schuchardt am 17. Mai 2015 in Stützerbach über aktuelle Positionen und Perspektiven des MVT und seiner Mitgliedsmuseen. Diese Rede ist über den Tag hinaus aktuell.

Der Museumsverband Thüringen

-         Gegründet am 04.08.1990 in Jena.

-         Der MVT hat aktuell 232 institutionelle Mitglieder (Museen) und 71 persönliche Mitglieder (Privatpersonen).

-         Jährlich besuchen 4 Millionen Gäste die Mitgliedsmuseen in Thüringen. Das sind, bezogen auf die Einwohnerzahl Thüringens, um ein Drittel mehr Besucher als im Durchschnitt in Deutschland.

-         Dem Vorstand des MVT gehören elf gewählte Mitglieder an, die alle Museumssparten und Regionen Thüringens vertreten.

-         Der Verbandstag tritt einmal im Jahr zusammen. Stimmberechtigt sind alle institutionellen und persönlichen Mitglieder.

-         Der nächste Verbandstag findet am 24.09.2015 im Alten Schloss in Dornburg statt. Auf der Tagesordnung steht u. a. die Wahl des Vorstandes.

Dr. Ralf Werneburg, Dr. Lutz Unbehaun, Kultur-Staatssekretärin Dr. Babette Winter (von links) diskutieren den empfohlenen Museumsverbund Süd. Foto: mip

So einen partizipativen, umfassenden Prozess hat es bisher in Thüringen nicht gegeben. Der sperrige Name: KulturEntwicklungsKonzeption, kurz KEK.  Sie entstanden in nur einem Jahr für die Modellregionen Süd (Landkreise Hildburghausen und Sonneberg) und Nord (Kyffhäuserkreis, Landkreis Nordhausen). Im Süden könnte ein Museumsverbund etabliert werden, empfehlen Experten des Instituts für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft Bonn im Einvernehmen mit den Betroffenen.

Der gesamte Prozess ist für beide Regionen ausführlich im Internet dokumentiert. Der Start und der Prozess: analysieren, recherchieren, diskutieren, dokumentieren, konzipieren. Die Methoden u. a.: Bestandsanalyse, viele Interviews mit Akteuren, drei Workshops. Beteiligt: Berater des Bonner Instituts, vor allem Dr. Patrick S. Föhl und Dr. Norbert Sievers. Weiter beteiligt: Kulturakteure, Kulturverwalter, Kulturtouristiker, Kulturpolitiker, Kulturinstitutionen.

Ein wesentliches Ergebnis und eine weitreichende Empfehlung lautet: Gründet einen Museumsverbund in den Landkreisen Hildburghausen und Sonneberg. Das Gutachten umfasst 89 Seiten, erläutert ausführlich, differenziert und nachvollziehbar den Vorschlag. Man muss nicht mit allen Details und Empfehlungen einverstanden sein. In der Grundaussage und Tendenz überzeugt die Empfehlung.

Das sehen an dem Prozess beteiligte Museumsfachleute jedenfalls so. Dr. Ralf Werneburg, Direktor des Naturhistorischen Museums Schloss Bertholdsburg in Schleusingen, sagt dazu: „Einen Museumsverbund kann ich mir vorstellen.“ Es geht um insgesamt 20 Museen in beiden Landkreisen, darunter Häuser mit bedeutenden Sammlungen wie das Deutsche Spielzeugmuseum Sonneberg, das Hennebergische Museum Kloster Veßra, das erwähnte Schleusinger Museum, das Stadtmuseum Hildburghausen, mehrere Glas-, Keramik- und weitere der Südthüringer Handwerkskunst verpflichtete Museen.

Das Gutachten zum Museumsverbund Süd nimmt die Standards von ICOM, des Deutschen Museumsbundes und das Museumsentwicklungskonzept 2011-2020 des Museumsverbandes Thüringen plus die Leitlinien dazu als Maßstab für eine qualifizierte Museumsarbeit, für eine angemessene personelle und finanzielle Ausstattung der Häuser. Da gibt es eine Stärken- und Schwächenanalyse mit dem rätselhaften Akronym SWAT, das steht für Stärken (Strengths), Schwächen (Weaknesses), Chancen (Opportunities) und Gefahren (Threats). Das listet die Autorin des Gutachtens, Lara Buschmann, alles detailliert auf.

So ein Museumsverbund Süd könnte die Struktur eines kommunalen Zweckverbandes haben oder in einer anderen juristischen Konstruktion gegründet werden. Ob es dazu kommt, hängt vom politischen Willen der Verwaltungsspitzen der beiden Landkreise, von kommunalen Vertretungen vor Ort, von den Beteiligten und Betroffenen in den Museen ab. Und von einer möglichen Anschubfinanzierung des Freistaats Thüringen.

Das haben Kulturminister Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff und Kultur-Staatssekretärin Dr. Babette Winter auf beiden Abschlussveranstaltungen des Prozesses, auf der Veste Heldburg und im Panorama Museum Bad Frankenhausen, zugesagt bzw. in Aussicht gestellt. Die Landeshaushalte für die Jahre 2015 bis 2017 sollen im Juni bzw. Dezember 2015 vom Thüringer Landtag beschlossen werden. Geplant sind 250.000 Euro für 2015 und jeweils 500.000 Euro für 2016/2017, um Empfehlungen des gesamten Prozesses umzusetzen, also nicht nur den Museumsverbund Süd.

Der Museumsverband Thüringen und die Museumsfachleute vor Ort werden sich weiterhin mit ihrer Expertise beteiligen. Gelegenheit dazu bietet das 5. Thüringer Kulturforum am 17.04.2015 in Arnstadt, das die Kulturentwicklungskonzeptionen für die beiden Modellregionen ausführlich vorstellen, in sechs Workshops diskutieren und hoffentlich praktische Folgen aufzeigen wird. (mip)

26.02.2015

VIELFALT: Jahrespressekonferenz des Museumsverbandes Thüringen

Präsident Günter Schuchardt im Gespräch mit Doreen Tittel vom MDR-Fernsehen. Foto: mip

Themenvielfalt und Medienvielfalt bestimmten die Jahrespressekonferenz (JPK) des Museumsverbandes Thüringen (MVT). Journalisten aller Thüringer Tageszeitungen, des MDR und von Nachrichtenagenturen fragten nach fast allen Themen, die den Verband und die Museen umtreiben.

Besucherresonanz, die ist richtig gut, wenn auch differenziert zu betrachten.

Das in Aussicht gestellte Volontärsprogramm für die Museen. Da waren die Journalisten richtig neugierig, fragten nach, wollten alles genau wissen. Fakt ist, gebraucht werden wissenschaftlich gut ausgebildete und junge Mitarbeiter für alle Berufe, die es in den Museen gibt. Marketingfachleute, Kunsthistoriker, Museumspädagogen, Bibliothekare, Restauratoren und noch einige mehr.

Die problematische Situation in einzelnen Museen: in Gera außerordentlich schwierig; in Eisenach gibt es aktuell eine Konkurrentenklage bei der Besetzung der Direktorenstelle des Thüringer Museums. Über das Haushaltskonsolidierungskonzept der Stadt und die Folgen für das Thüringer Museum, insbesondere das Reuter-Wagner-Museum, ist der MVT im Gespräch mit der Oberbürgermeisterin.

Der Mindestlohn wirkt sich natürlich auch in den Museen aus, mehr Kosten, die irgendwie kompensiert werden müssen. Leider verbunden mit reduzierten Öffnungszeiten da und dort oder mit reduzierten Personalstellen.

Ach ja, die Förderung von Land und Trägern war Thema. Eindeutige Aussage von MVT-Präsident Günter Schuchardt: Wir erwarten im Jahr 2015 mindestens die gleichen Fördersummen wie 2014 plus ein Prozent. Das ist übrigens die pauschale Ansage der neuen Thüringer Landesregierung und von Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff für den Landeshaushalt 2015. Im März gibt es ein Arbeitsgespräch zwischen Präsident Schuchardt und Minister Hoff.

Jetzt sind wir aber gespannt auf die mediale Berichterstattung über unsere JPK, die im Netz schon angelaufen ist. (mip)

24.11.2014

Was ist ein modernes Museum?

Neue Ausgabe der Thüringer Museumshefte erscheint

Das Titelthema „Was ist ein modernes Museum?“ findet ganz unterschiedliche Antworten in der neuen Ausgabe der Thüringer Museumshefte.

Der Burghauptmann der Wartburg, Günter Schuchardt, fragt in seiner Kolumne „Bröckeln die vier Säulen der Museumsarbeit?“ Eine Antwort von ihm lautet: „Wer glaubt, es zählen lediglich Aktionismus und schöner Schein, der irrt.“

Weitere Beiträge beschreiben aus einer Innen- und Außensicht die Porzellanwelten auf der Leuchtenburg und die neue Dauerausstellung am neuen Standort des Museums für Glaskunst in Lauscha. Das sind recht unterschiedliche Ansichten vor dem Hintergrund der Frage: Sind das moderne Museen?

Weitere spannende Geschichten handeln von einem alten Haus, das selbst zu einem modernen Museumsexponat wird und dem ersten mathematischen Mitmach-Museum weltweit. Sind Erlebniswelten, die allerorten entstehen, auch Museen oder doch nicht? Ein „Grünes Museum“ weist in die Zukunft und „Das Museum der Zukunft?“ ist ein hoffentlich Widerspruch erregender Diskussionsbeitrag.

Der Themenschwerpunkt des Heftes hat uns herausgefordert. Die Redaktion diskutierte unter sich und mit den Autoren streitbar über die Texte. Vielleicht, nein, hoffentlich, führt das Heft zu Diskussionen über diese Fragen.

Wir würdigen die Preisträger des Museumspreises 2014 der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen. Der Neubau des Deutschen Spielzeugmuseums wird kritisch reflektiert. Die wohl umfangreichste Sammlung von Korkenziehern und damit ein Kapitel Wirtschaftsgeschichte der DDR ist ein Thema.

Wie gehen Museen mit Künstlernachlässen um? Diese Frage treibt Künstler und Kuratoren um, sie kann leider nur unbefriedigend beantwortet werden. Schließlich: Was ist ein Kultur-Hackathon? Noch so ein Zukunftsthema, dem sich das Ernst-Haeckel-Haus der Uni Jena stellt.

Ein wichtiger Teil im neuen Heft: Wir dokumentieren und reflektieren den Verbandstag des Museumsverbandes vom 25. September 2014 in Neuhaus am Rennweg mit Berichten, Reden, Laudationes und Fotos. Das „Beste zum Schluss“ steuert unser Ehrenmitglied Karl-Hein Hänel bei.

Die Printausgabe der Thüringer Museumshefte erscheint Anfang Dezember 2014 und wird allen Mitgliedern zugestellt. Für Interessenten, Partner und Freunde der Museen versenden wir auf Anfrage das Heft in elektronischer Form.

Nach dem Heft ist vor dem Heft. Für spannende, lesenswerte Geschichten ist in den Thüringer Museumsheften immer Platz. Ideen und Vorschläge bitte an die Redaktion senden. (mip)

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